Graham’s Port Lodge

Ein Besuch in Vila Nova de Gaia an der Mündung des Rio Douro bei einem der renommiertesten Portweinhersteller
Samstag, 28 Mai 2016 | Gastronomie

Das eindrucksvolle, 1890 errichtete und im Jahre 2013 aufwendig renovierte Anwesen liegt erhöht am Westrand von Vila Nova de Gaia mit herrlichem Blick auf den Rio Douro, das gegenüberliegende Porto und die berühmte Brücke Ponto Luiz I. Wegen der heftigen Regenschauer nehmen wir in der Innenstadt von Porto ein Taxi – für einen Fahrpreis von ca. 10€ ist eine Taxifahrt durch die engen, regennassen Straßen der Altstadt von Porto ein preiswertes und spannendes Vergnügen.

In der Lodge entscheiden wir uns für eine englischsprachige Führung mit anschließender Verkostung von je drei verschiedenen Portweinen. Die Einführung mit einem Video gibt einen Einblick in die Geschichte der Firma, die 1820 von den Brüdern William und John Graham gegründet wurde. Die beiden aus Schottland stammenden Herren waren ursprünglich Textilhändler und stiegen in den Handel mit Portweinen ein, als ein nicht zahlungsfähiger Kunde ihnen als Entgelt 27 Fass Portwein anbot. Im Jahre 1890 erwarb die Firma Graham’s mit der Quinta de Malvedo die ersten eigenen Weinberge, und im selben Jahr wurde die neue Lodge errichtet, um die Fässer fachgerecht zu lagern und reifen zu lassen. Heute bringt Graham’s ausschließlich Portweine aus eigenem Anbau in fünf verschiedenen Weingütern auf den Markt. Im Jahr 1970 wurde die Firma von der Familie Symington übernommen, einer derer Vorfahren schon Ende des 19. Jahrhunderts für Graham’s gearbeitet hatte. Damit ist Graham’s eines der wenigen Portweinhäuser, das noch immer im Familienbesitz sind.

Bei der anschließenden Führung durch die von Granitmauern umgebenen Lagerhallen, in denen über 2.000 Eichenfässer (pipas)  und 40 riesige hölzerne Reifebottiche (balseiros) untergebracht sind, lernen wir einige Grundbegriffe der Portweinherstellung. Das Verfahren, den Fermentierungsprozess des Zuckers im Most durch Zugabe von hochprozentigem Alkohol zu stoppen, um einen besonders haltbaren Wein mit großem Restzuckeranteil zu erzeugen, soll angeblich von englischen Kaufleuten  im 17. Jahrhundert in einem Kloster entdeckt worden sein. 

Nach demselben Verfahren wird bis heute der weltbekannte Portwein durch Zugabe von klarem aus Trauben gebranntem 80%igen Alkohol (aguardente) hergestellt. Der Alkoholgehalt des fertigen Portweines beträgt  zwischen 19 und 22 %, und nur Weine aus der Region Douro dürfen verwendet werden. Das Terroir zeichnet sich durch sehr steile Schieferhänge aus, die Temperaturen können im Sommer bis zu 45° erreichen und im Winter unter dem Gefrierpunkt liegen. Die strengen Qualitätskriterien für Portwein werden vom Instituto dos Vinhos do Douro e Porto festgelegt und überwacht, dessen Ursprünge auf einen Erlass des Premierministers Marques de Pombal im Jahr 1756 zurückgehen.

Das erste Jahr nach dem Keltern, das  in der Quinta de Malvedo bei Graham’s immer noch traditionell, d.h. durch Stampfen mit den Füßen, erfolgt, verbleibt der neue Wein in den Fässern des jeweiligen Weingutes, ehe er per Schiff zu den Lagerhallen an der Mündung des Douro in Vila Nova de Gaia transportiert wird. Dort sind die klimatischen Bedingungen für die weitere Reife bei konstant 15°C und hoher Luftfeuchte ideal für die Entwicklung zu einem der besten Weine der Welt. 

Portwein kommt in drei Qualitätsstufen in den Handel:

  • Ruby ist ein Verschnitt von Weinen verschiedener durchschnittlicher Jahrgänge. Er wird nach einer Lagerung von wenigen Jahren im großen Fass (balseiro) filtriert, auf Flaschen abgezogen und kommt jung in den Handel. Wie der Name sagt, zeichnet sich der Ruby durch eine tiefrote Farbe und einen fruchtigen Geschmack aus.
  • Tawny ist ebenfalls ein Verschnitt von Weinen, in diesem Falle überdurchschnittlicher Qualität, aus  verschiedenen Jahrgängen. Tawny muss nach anfänglicher Lagerung im großen Fass für mehrere Jahre im kleinen Fass (pipa) weiter reifen. Er altert dort schneller, seine Farbe wechselt von rot auf gelbbraun bis goldgelb (engl. tawny) und er schmeckt nach trockenen Früchten. Er wird filtriert auf Flaschen abgefüllt, als Old Tawny nach einer Reifezeit von 10, 20, 30 oder 40 Jahren. Eine Besonderheit sind die Colheitas, die aus Weinen nur eines Jahrgangs verschnitten werden und eine Mindestlagerung in der pipa von 7 Jahren haben müssen. Entscheidend für die Qualität ist dabei nicht nur das Ernte- sondern insbesondere das Abfülljahr, das auf dem Etikett ebenfalls vermerkt wird.
  • Vintage Portweine sind Spitzenerzeugnisse eines einzelnen Jahrgangs; pro Dekade qualifizieren sich in der Regel nur 2 bis 3 Jahrgänge als Vintage Jahrgang. Daneben können die Produzenten herausragende Erzeugnisse eines einzelnen Weinbergs (quinta) als Vintage gegenüber dem Portugiesischen Portweininstitut deklarieren. Anders als bei den anderen Kategorien wird der Vintage Port ungefiltert auf die Flasche gezogen und reift dort über viele Jahre weiter. Er ist nach frühestens 10 – 12 Jahren trinkreif und bildet ein Depot aus den Abbaustoffen. Deshalb muss er dekantiert und nach dem Öffnen der Flasche innerhalb einiger Stunden getrunken werden.
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